Was ist eine Familienaufstellung?
Eine Familienaufstellung macht sichtbar, was im Verborgenen wirkt. In einem geschützten Rahmen — einer Gruppe von 20 bis 25 Personen — stellen Stellvertreter die Mitglieder einer Familie dar. Allein durch ihre Positionierung im Raum und die Wahrnehmungen, die dabei entstehen, zeigen sich Verstrickungen und Muster, die oft über Generationen weitergegeben wurden.
Die Methode geht auf die Arbeit von Bert Hellinger zurück und folgt den sogenannten Ordnungen der Liebe: dem Recht auf Zugehörigkeit, der Achtung der Rangordnung und dem Ausgleich von Geben und Nehmen. Wenn diese Ordnungen gestört sind — etwa durch Ausschluss eines Familienmitglieds, eine unterbrochene Hinbewegung oder ein unbetrauertes Schicksal — kann das in den nachfolgenden Generationen als unerklärliche Last spürbar werden.
Ich arbeite seit dem Jahr 2000 mit dieser Methode. Mein Ansatz ist phänomenologisch: Ich beobachte, was sich zeigt, ohne vorschnell zu deuten. Das Feld selbst gibt die Richtung vor — nicht eine Theorie und nicht meine Erwartung. Dabei bin ich kein Zuschauer: Wenn ich etwas sehe, gehe ich hin und arbeite direkt mit dem, was sich zeigt.
Für wen ist das?
Eine Familienaufstellung kann dann hilfreich sein, wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas in Ihrem Leben nicht nur mit Ihnen selbst zu tun hat — sondern mit Ihrer Herkunft, Ihrer Familie oder einer Last, die Sie nicht einordnen können. Typische Anliegen sind:
- Wiederkehrende Beziehungsmuster, die Sie nicht durchbrechen können
- Belastende Familienthemen, die sich über Generationen wiederholen
- Unerklärliche Blockaden im beruflichen oder privaten Leben
- Konflikte zwischen Eltern und Kindern, die sich nicht lösen lassen
- Trennungen und Scheidungen, die nicht zur Ruhe kommen
- Verlust und Trauer, die keinen Platz finden
- Psychosomatische Beschwerden ohne klare medizinische Ursache
Es ist nicht nötig, vorher genau zu wissen, was das Problem ist. Oft zeigt sich in der Aufstellung etwas, das man vorher nicht erwartet hätte — und gerade darin liegt die Kraft der Methode.
Ausführlich: Für wen ist eine Familienaufstellung geeignet? — typische Anlässe und ehrliche Grenzen.
Wie läuft ein Seminar ab?
Meine Familienaufstellungen finden in Eching bei Freising statt, samstags von 10:00 bis 17:00 Uhr. Ein Seminartag sieht in der Regel so aus:
- Ankommen und Einstimmung — Die Gruppe von 20 bis 25 Personen findet sich zusammen. Es entsteht ein Raum der Ruhe und Aufmerksamkeit.
- Vorgespräch — Wenn Sie eine eigene Aufstellung machen möchten, führe ich zunächst ein kurzes Gespräch mit Ihnen über Ihr Anliegen. Dabei kläre ich, ob eine Aufstellung sinnvoll ist und welche Frage wir in den Raum stellen.
- Auswahl der Stellvertreter — Sie wählen aus der Gruppe Personen aus, die für Familienmitglieder oder andere wichtige Figuren stehen.
- Die Aufstellung — Die Stellvertreter werden im Raum positioniert. Durch ihre Wahrnehmungen — Körperempfindungen, Impulse, Gefühle — werden Dynamiken und Verstrickungen sichtbar, die im Familiensystem wirken.
- Die Arbeit — Ich arbeite direkt mit dem, was sich zeigt. Ich will Veränderung, nicht nur Einsicht. Durch lösende Sätze, Rituale der Anerkennung und eine Neuordnung der Stellvertreter entsteht ein heilsames Bild.
- Lösungsbild — Am Ende einer Aufstellung zeigt sich eine neue Ordnung — ein Bild, in dem jeder seinen Platz hat und die Last dort liegt, wo sie hingehört.
- Nachgespräch und Integration — Nach der Aufstellung gibt es Raum für kurze Rückmeldung. Die eigentliche Wirkung entfaltet sich oft in den Tagen und Wochen danach.
Auch wenn Sie keine eigene Aufstellung machen, ist die Teilnahme als Stellvertreter eine wertvolle Erfahrung. Viele Teilnehmer berichten, dass sie durch das Miterleben anderer Aufstellungen auch für ihr eigenes Leben wichtige Impulse erhalten.
Neben den eintägigen Samstags-Seminaren biete ich Wochenend-Intensivseminare an — mit mehr Zeit für jede Aufstellung. Ausführlich: Ablauf eines Aufstellungs-Wochenendes — Schritt für Schritt, von der Vorbereitung bis zur Zeit danach.
Die Besonderheit: Rechtsanwalt und Aufsteller
Ich bin nicht nur systemischer Aufsteller, sondern auch Rechtsanwalt. Diese Kombination ist selten — und gerade deshalb besonders wertvoll. In meiner anwaltlichen Praxis erlebe ich immer wieder, dass hinter rechtlichen Konflikten tiefere, systemische Verstrickungen liegen.
Besonders bei folgenden Themen zeigt sich, wie sehr Recht und Seele verwoben sind:
- Erbstreitigkeiten — Hinter dem Streit ums Erbe stehen oft ungelöste Beziehungen zu den Verstorbenen oder zwischen Geschwistern.
- Scheidungskonflikte — Wenn Paare sich trennen, tragen die Kinder häufig die unausgesprochene Last beider Seiten.
- Sorgerechtsfragen — Die Frage, wo ein Kind hingehört, lässt sich rechtlich regeln — aber die Seele des Kindes folgt anderen Ordnungen.
Weil es beim Erben oft nicht nur ums Rechtliche geht.
Diese doppelte Perspektive ermöglicht es mir, Konflikte nicht nur auf der juristischen, sondern auch auf der systemischen Ebene zu betrachten. Das ersetzt keine Rechtsberatung — aber es kann dazu beitragen, dass eine Lösung nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch innerlich ankommt.