Bert Hellinger: Der Begründer

Anton „Bert" Hellinger (1925–2019) war ein deutscher Familientherapeut, der die Methode der Familienaufstellung ab den späten 1970er-Jahren entwickelte und international bekannt machte. Sein Lebensweg war ungewöhnlich: Hellinger war zunächst katholischer Ordenspriester und lebte 16 Jahre als Missionar bei den Zulu in Südafrika. Dort lernte er die Bedeutung von Zugehörigkeit, Ahnen und Gemeinschaft auf eine Weise kennen, die sein späteres Werk tief prägte.

Nach seinem Austritt aus dem Orden absolvierte Hellinger eine psychoanalytische Ausbildung und beschäftigte sich intensiv mit Gruppentherapie, Gestalttherapie und systemischen Ansätzen. Aus dieser Synthese entstand die Familienaufstellung — eine Methode, bei der Stellvertreter im Raum positioniert werden, um die inneren Dynamiken eines Systems sichtbar zu machen.

Hellinger verstand seine Arbeit ausdrücklich als Lebenshilfemethode, nicht als Psychotherapie im klinischen Sinne. Es ging ihm darum, verborgene Ordnungen aufzuzeigen, die in Familien und anderen Systemen wirken — und den Klienten einen Weg zu eröffnen, sich in Einklang mit diesen Ordnungen zu bringen.

Die Ordnungen der Liebe

Hellinger beschrieb drei grundlegende Prinzipien, die in jedem Beziehungssystem wirken. Wenn diese Ordnungen gestört werden, zeigen sich Konflikte, Symptome und Verstrickungen — oft über Generationen hinweg.

Zugehörigkeit (Bindung)

Jedes Mitglied eines Systems hat ein gleiches Recht auf Zugehörigkeit. Niemand darf ausgeschlossen werden — unabhängig davon, was geschehen ist. Wenn ein Familienmitglied ausgeschlossen, vergessen oder verleugnet wird, sucht das System einen Ausgleich: Ein späteres Mitglied übernimmt unbewusst Gefühle, Verhaltensweisen oder das Schicksal des Ausgeschlossenen. Dieses Phänomen wird als systemische Verstrickung bezeichnet.

Ordnung (Rangfolge)

Wer zuerst da war, hat Vorrang. Eltern kommen vor Kindern. Das erste Kind vor dem zweiten. Die erste Partnerschaft vor der zweiten. Diese zeitliche Rangfolge bildet eine natürliche Hierarchie innerhalb des Systems. Wenn diese Ordnung verletzt wird — etwa wenn ein Kind die Verantwortung für einen Elternteil übernimmt oder eine frühere Partnerschaft nicht gewürdigt wird — gerät das System in Unordnung. Die Aufstellung macht solche Verstöße sichtbar.

Ausgleich von Geben und Nehmen

In Partnerschaften braucht es ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Beide Partner geben und empfangen — und die Beziehung wächst, wenn dieser Austausch lebendig bleibt. Die Eltern-Kind-Beziehung ist dagegen grundsätzlich asymmetrisch: Eltern geben, Kinder empfangen. Kinder geben das Empfangene an die nächste Generation weiter. Wird dieses Prinzip gestört, entstehen Schuldgefühle, Verstrickungen und Konflikte.

Zentrale Begriffe

Die Aufstellungsarbeit hat ein eigenes Vokabular entwickelt. Die folgenden Begriffe begegnen Ihnen in der Praxis immer wieder:

Wissenschaft & Wirkung

Die Aufstellungsarbeit wird seit einigen Jahren zunehmend wissenschaftlich untersucht. Die bedeutendste Studie ist die sogenannte Heidelberger Studie — die weltweit erste randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) zur Wirksamkeit von Familienaufstellungen.

„Die Ergebnisse zeigen statistisch signifikante Verbesserungen des psychischen Wohlbefindens bei den Teilnehmern der Aufstellungsgruppe."
— Heidelberger Studie, Universitätsklinikum Heidelberg

Die Studie wurde zwischen 2009 und 2013 am Universitätsklinikum Heidelberg durchgeführt, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und umfasste 208 Teilnehmer. Sie belegt positive Effekte auf das psychologische Wohlbefinden der Teilnehmenden. In einer Meta-Analyse wurden zudem 14 Studien zur Aufstellungsarbeit ausgewertet: 11 von 14 Studien fanden statistisch signifikante Verbesserungen.

Ergänzend dazu hat Peter Schlötter an der Universität Witten/Herdecke eine Studie mit 250 Teilnehmern durchgeführt, die eine bemerkenswert hohe Übereinstimmung in der Interpretation von Aufstellungsbildern nachweist — unabhängig davon, ob die Teilnehmer Informationen über das aufgestellte System hatten oder nicht. Dieses Ergebnis stützt die Beobachtung, dass Stellvertreter in Aufstellungen zuverlässig systemrelevante Informationen wahrnehmen.

Die wissenschaftliche Forschung zur Aufstellungsarbeit steht noch am Anfang, aber die vorliegenden Ergebnisse sind ermutigend und geben der Methode eine solide empirische Grundlage.

Mein Verständnis der Methode

Bert Hellinger ist nicht unumstritten. Kritiker verweisen auf patriarchale Grundannahmen in Teilen seines Spätwerks und auf das Fehlen einer systematischen wissenschaftlichen Fundierung zu seinen Lebzeiten. Diese Kritik ist mir bekannt, und ich nehme sie ernst.

Gleichwohl stehe ich klar zu Hellingers Methode. Die Grundprinzipien der Aufstellungsarbeit — Zugehörigkeit, Ordnung und Ausgleich — haben sich in über 40 Jahren Praxis als außerordentlich wirksam erwiesen. Sie bilden den Kern meiner Arbeit.

Was mich von einer unkritischen Übernahme unterscheidet, sind 26 Jahre eigener, verantwortungsvoller Praxis. In dieser Zeit habe ich ein klares Verständnis dafür entwickelt, wie die Methode respektvoll und achtsam angewendet wird. Mein juristischer Hintergrund hat mich zudem für ethische Fragestellungen sensibilisiert: für die Grenzen der Methode, für den Schutz der Teilnehmer und für die Verantwortung, die ein Aufstellungsleiter trägt.

Ich verstehe die Aufstellungsarbeit als ein Werkzeug, das in den richtigen Händen tiefgreifende Einsichten ermöglicht. Sie ersetzt keine Psychotherapie und verspricht keine Heilung. Aber sie kann Zusammenhänge sichtbar machen, die mit anderen Methoden oft verborgen bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Aufstellungsarbeit.

Eine professionell geleitete Aufstellung ist nicht gefährlich. Entscheidend ist die Erfahrung und Verantwortung des Aufstellungsleiters. Ich achte sorgfältig darauf, dass die Aufstellung in einem geschützten Rahmen stattfindet und dass jeder Teilnehmer jederzeit stoppen kann. Gleichzeitig ist die Arbeit intensiv: Es können starke Gefühle aufkommen. Das ist gewollt und Teil des Prozesses — aber es erfordert eine behutsame Begleitung.

Nein. Die Aufstellungsarbeit ist keine Glaubenssache. Viele Teilnehmer kommen mit Skepsis — und sind überrascht, wie präzise die Stellvertreter Dynamiken wahrnehmen, die ihnen eigentlich unbekannt sind. Offenheit ist hilfreich, aber ein bestimmter Glaube ist keine Voraussetzung. Die Wirkung zeigt sich erfahrungsgemäß unabhängig von der Erwartungshaltung.

Das ist jederzeit möglich und wird respektiert. Viele Teilnehmer berichten, dass allein das Zuschauen bei Aufstellungen anderer Menschen berührend und erkenntnisreich sein kann. Sie können als Stellvertreter mitwirken, wenn Sie möchten — es ist aber kein Muss. Auch das Beobachten ist eine wertvolle Form der Teilnahme.

Die Aufstellungsarbeit ist keine Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes. Sie ist eine eigenständige Methode der Lebenshilfe und Persönlichkeitsentwicklung. Während die Psychotherapie mit Diagnosen, Behandlungsplänen und regelmäßigen Sitzungen arbeitet, konzentriert sich die Aufstellung auf ein konkretes Anliegen in einer einzelnen Sitzung. Beides kann sich sinnvoll ergänzen. Bei schweren psychischen Erkrankungen empfehle ich ausdrücklich, parallel psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die wissenschaftliche Forschung zur Aufstellungsarbeit ist noch jung, aber vielversprechend. Die Heidelberger Studie (2009–2013) war die weltweit erste randomisiert-kontrollierte Studie und zeigte signifikante positive Effekte. Insgesamt liefern 11 von 14 ausgewerteten Studien statistisch signifikante Verbesserungen. Die Methode ist derzeit kein anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren — aber die empirische Evidenz wächst stetig.

Erleben Sie die Methode selbst

Ob als Aufsteller mit eigenem Anliegen oder als Teilnehmer in der Gruppe — der nächste Termin ist Ihr erster Schritt.

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